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Schnell zu übersehen in Halle zwei im großen egyptischen Museum

Die 4 Caves im Grand Egyptian Museum – kleine Räume, große Geschichten!
Tutanchamun, Goldschätze und riesige Pharaonenstatuen – klar, deswegen kommen viele ins Grand Egyptian Museum (GEM) in Gizeh. Aber habt ihr auch die vier Caves entdeckt? Ich finde, genau dort verstecken sich einige der Geschichten, für die man sich ruhig etwas mehr Zeit nehmen sollte.
Wo befinden sich die vier Caves?
Ihr findet sie im Bereich der zwölf Hauptgalerien des GEM. Es sind kleinere, tiefer gelegene Themenräume, die man über Treppen von den angrenzenden Galerien erreicht. Also nicht nur geradeaus durch die großen Säle laufen – schaut auch nach den Zugängen zu den Caves! Besonders die Cave der versunkenen Städte liegt im Bereich von Galerie 12.
Die Themen sind ganz unterschiedlich: Hathor und ihre Priesterinnen, das Tal der Könige, das Arbeiterdorf Deir el-Medina und die versunkenen Städte vor der Mittelmeerküste. Ich nehme euch mit auf unseren Rundgang – mit meinen Fotos direkt aus dem Museum.
1. Cave – Hathor: Eine Priesterin erzählt Geschichte
Vor uns steht ein großer, ziemlich schlichter Holzsarg. Kein Gold, keine Edelsteine. Aber genau solche Fundstücke finde ich spannend, denn dahinter steckt ein Mensch mit einer Geschichte.
Äußerer Holzsarg der Amunet aus der 11. Dynastie – fotografiert im GEM.
Der Sarg gehörte Amunet. Sie trug die Titel „Königlicher Schmuck“ und „Priesterin der Hathor“. Hathor war unter anderem die Göttin der Liebe, Freude und Musik, spielte aber auch beim Übergang ins Jenseits eine wichtige Rolle.
Amunet wurde in Deir el-Bahari bei Luxor bestattet, im Umfeld des Pharaos Mentuhotep II. Wer den Hatschepsut-Tempel kennt, kennt die Gegend. Nur lebte Amunet lange vor Hatschepsut.
Die Museumsbeschriftung nennt Amunets Titel, das Material des Sarges und den Fundort Deir el-Bahari.
Und plötzlich ist dieser unscheinbare Sarg gar nicht mehr so unscheinbar.
2. Cave – Tal der Könige: Eine ziemlich aufregende Nacht
Hier geht es um die Vorstellungen der alten Ägypter vom Leben nach dem Tod. Denn mit dem Sonnenuntergang war für den Sonnengott Re noch lange nicht Feierabend.
Jede Nacht musste er mit seiner Sonnenbarke durch die Unterwelt reisen. Dort begegnete er Göttern und geheimnisvollen Wesen, brachte Licht in die Dunkelheit, traf auf Osiris und musste die gefährliche Chaosschlange Apophis überwinden. Schließlich wurde er am Morgen wiedergeboren – die Sonne ging auf. Und am Abend begann das Ganze von vorn.
Re erreicht die Unterwelt – Szene aus der animierten Darstellung.
Apophis, die Schlange des Chaos, stellt sich Re entgegen.
Die Augen des Re bringen Licht in die Unterwelt.
Geschafft: die Wiedergeburt des Sonnengottes Re.
Das GEM erzählt diese Reise mit Animationen, die die alten Bildwelten verständlich machen. Besonders schön: Man kann die einzelnen Stationen direkt auf den Bildschirmen verfolgen.
Und dann liegt da ein Leinentuch voller Hieroglyphen
Auf den ersten Blick könnte man es glatt für einen riesigen Papyrus halten. Ist es aber nicht! Das ist das Mumientuch von Thutmosis III., dem Stiefsohn Hatschepsuts. Auf dem feinen Leinen stehen religiöse Texte aus dem Totenbuch und der Litanei des Re. Sie sollten dem verstorbenen König auf seinem Weg ins Jenseits helfen.
Kein Papyrus: das beschriftete Mumientuch von König Thutmosis III.
Die Objektbeschriftung erklärt die Texte und das Leinenmaterial.
Auch das berühmte königliche Mumienversteck in Deir el-Bahari gehört zu dieser Geschichte. Als die Gräber nicht mehr sicher waren, brachten Priester zahlreiche Königsmumien an einen geschützten Ort – darunter Ramses II., Sethos I. und Thutmosis III. Selbst ein Pharao war also vor einem Umzug nach dem Tod nicht gefeit.
3. Cave – Tal der Arbeiter: Wer hat die Gräber eigentlich gebaut?
Bei all den Pharaonen vergisst man leicht die Menschen, die ihre Gräber gebaut und ausgemalt haben. Genau um sie geht es in Deir el-Medina, dem Arbeiterdorf auf der Westseite von Luxor.
Im Museum sieht man, wie die Handwerker, Maler, Steinmetze und Schreiber lebten. Die Siedlung bestand aus ungefähr 68 Häusern auf rund 5.600 Quadratmetern. Ein Modell zeigt das Dorf, ein anderes den Aufbau der Häuser.
So sah ein Haus in Deir el-Medina aus: Wohnräume, Vorratsbereiche und Treppen zum Flachdach.
Die Häuser hatten in der Regel drei Innenräume und eine offene Küche, teils auch Keller und Lagerräume. Die Dächer wurden als Terrasse, Schlafplatz oder zum Verstauen genutzt. Wer Ägypten kennt, dem kommt einiges bekannt vor.
Und die Arbeiter waren keineswegs namenlose Sklaven, sondern spezialisierte Fachkräfte. Von ihnen sind erstaunlich viele Aufzeichnungen erhalten. Als unter Ramses III. die Lebensmittelrationen ausblieben, legten sie sogar die Arbeit nieder – einer der frühesten dokumentierten Streiks der Geschichte.
Tja, auch ein Pharao bekam Probleme, wenn seine Leute nicht versorgt wurden.
4. Cave – Versunkene Städte: Alexandria geht baden!
Nach der trockenen Wüste wird es jetzt nass. Die vierte Cave führt uns an die Mittelmeerküste, nach Alexandria und in die Bucht von Abukir. Dort lagen einst bedeutende Hafenstädte wie Thonis-Herakleion und Kanopos.
Über Jahrhunderte verschwanden Teile dieser antiken Welt durch Bodenabsenkungen, Naturereignisse und Veränderungen der Küste unter Wasser und Sediment. Unterwasserarchäologen – darunter Franck Goddio und sein Team – machten seit der Jahrtausendwende spektakuläre Entdeckungen.
In der Cave wird die alte Küstenlandschaft sogar auf dem Boden dargestellt. Filme und Fundstücke erzählen von Häfen, Tempeln, Handel und der griechisch-römischen Zeit. Dazu gehört auch eine Aphrodite-Statue aus Marina el-Alamein. Die Göttin galt unter anderem als Beschützerin der Seefahrer.
Und natürlich denkt man bei Alexandria an den berühmten Leuchtturm von Pharos und an Kleopatra. Was von der antiken Hafenstadt heute noch unter Wasser liegt, macht diese Geschichte besonders faszinierend.
Bildhinweis: Von dieser Cave habe ich hier noch kein eigenes Museumsfoto eingebunden. Die Informationen stammen unter anderem aus der Berichterstattung der Egyptian Gazette; deren Fotos werden nicht als eigene Aufnahmen verwendet.
Mein Fazit: Nicht einfach vorbeilaufen!
Vier Caves, vier ganz unterschiedliche Geschichten. Von Hathors Priesterinnen über die aufregende Reise des Sonnengottes Re bis zum Alltag der Arbeiter und den versunkenen Städten am Mittelmeer.
Was mir besonders gefällt: Hier sieht man nicht einfach nur Gegenstände hinter Glas. Man versteht auch, warum sie wichtig waren und welche Menschen dahinterstanden.
Mein Tipp: Plant für die vier Caves unbedingt etwas Zeit ein. Gerade wenn ihr Luxor schon kennt, erkennt ihr viele Orte und Zusammenhänge wieder. Und wenn nicht, bekommt ihr vielleicht Lust, euch das Tal der Könige, Deir el-Bahari oder Deir el-Medina einmal selbst anzuschauen.
Denn Ägyptens Geschichte besteht eben nicht nur aus Goldmasken. Manchmal steckt die spannendste Geschichte in einem einfachen Holzsarg – oder liegt auf dem Meeresgrund.
Fairholiday – UrlaubsChecker Ägypten
Quellen und weiterführende Informationen
GEM – Broschüre zu den Hauptgalerien
Al-Ahram – Grand Egyptian Museum
Objektbeschriftungen und eigene Fotografien aus dem GEM.











