fairholiday.egypt@gmail.com
+2 01018178060
Wie empfinden wir als Gäste in Ägypten Ramadan?

Wie bereits letztes Jahr gibt es kein gemeinsames Fastenbrechen. Deshalb danken wir Asmaa und Waltraud, die sich immer um Spendenaktionen kümmern. Gerne können auch Sie unterstützen!
Was für die Christen die Fastenzeit, ist für die Muslime der Ramadan. Wir dürfen dieses Jahr zum 8. Mal zu dieser wichtigen Zeit als Gast diese besondere Zeit miterleben. Der Glaube wird groß geschrieben und das gemeinsame Fasten ist eines der 5 wichtigen Glaubenssäulen des Islams. Und das schöne ist, die Menschen hier sind stolz darauf. So stolz, dass viele Kinder, die sich diesem Ritual noch nicht unterziehen müssten, darauf bestehen, mitmachen zu dürfen.
Mit dem Morgengebet, vor Sonnenaufgang, darf in der Fastenzeit der letzte Bissen gegessen und der letzte Schluck getrunken werden. Jedes Jahr verschiebt sich der Ramadan um einige Tage zurück, so dass wir die nächsten Jahre langsam den Winter entgegensteuern. Ich erinnere mich, vor 6 Jahren, als die Ramadanzeit auf den August oder Juli gefallen ist. Es ist schon sehr hart, 14 Stunden nichts zu trinken, wenn die Sonne dich ausglüht. Und natürlich sieht der Glaube Ausnahmen vor, für Menschen, die krank oder alt sind, oder auch arbeiten müssen. Doch die Gruppendynamik ist stark. Deshalb sollte man auch galant darüber weg sehen, wenn ein Kellner vielleicht heimlich einen Schluck Wasser nimmt. Er ist selbst im Zwiespalt genug. Doch die Hitze macht es teilweise unerträglich.
Dafür ist Ramadan die Zeit der Nächstenliebe. Kein Ägypter muss normalerweise alleine Fastenbrechen oder gar hungern. Normalerweise werden große Iftah Tafeln aufgestellt, an denen jeder zum Sonnenuntergang zu Essen und Trinken bekommt. Leider ist dies seit letztem Jahr verboten. Es macht uns traurig. Dafür werden Ramadantaschen an Bedürftige gespendet. Darin sind Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Öl und meist ein Hühnchen oder ein Stück Rindfleisch. Für einige Tage kann damit eine Famile auskommen. Was nie fehlen darf, sind Datteln.
Nach einem Fastentag bricht man das Fasten mit Datteln. Die werden in jedem Restaurant auf den Tisch gestellt, oder auch auf der Straße an Autofahrer kostenlos mit einem Wasser oder süßem Karkadeh verteilt. Es ist eine Freude, den hilfsbereiten Menschen, die meist von Firmen die Getränke und Datteln bekommen, zuzusehen. Natürlich geben sie auch den Europäern eine Dattel und ein Getränk.
Ja, wie verhalten wir uns im Ramadan? Tatsächlich trinken oder essen wir nicht in der Öffentlichkeit. Es fühlt sich so an, wie wenn du dich vor jemanden mit Kuchen setzt, der gerade mit Diät beginnt. Auch wenn der Hintergrund ein anderer ist. Und wir wissen, dass die ersten Tage für die Ägypter nicht einfach sind, denn sie verzichten auch auf die Zigaretten. Und manchmal leiden sie sehr offensichtlich. Da versuche ich sie ein bisschen aufzumuntern in dem ich den Hintergrund der Fastenzeit noch einmal bewusst mache:
4 Wochen sollst du dir darüber Gedanken machen, dass es ein Geschenk ist, wenn du zu Essen und zu Trinken hast. 4 Wochen sollst du Verzicht üben und dafür den Geist freimachen, um über den Sinn deines Daseins, deines Lebens zu denken. Diese 4 Wochen sollen dich einfach mal wieder erden. Und diese 4 Wochen werden dich stolz machen!
Und ich bin immer wieder fasziniert, wie hier der Glaube gelebt und gelehrt wird. Wer weiß in Deutschland etwas von der Fastenzeit? Wer weiß denn überhaupt, dass auch die Christen 2 Fastenzeiten haben? Und wenn es hoch kommt, dann verzichtet man auf Süßes oder Internet. Nein, auch ich nutze die Zeit von Ramadan, um mir einfach mal wieder ein bisschen bewusster zu machen, wie gut es mir geht und wie dankbar ich sein kann, dafür.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein toleranteres Miteinander und dass ihr eure persönliche Lebensmitte findet.
Ramadan Mubarak!











